11.10.2026, 08:40 - Wörter:
Briefwechsel Atreus und Emilia
Atreus versuchte nicht zu viel über die ersten drei Briefe nachzudenken, die er gelesen hatte. Er versuchte noch weniger darüber nachzudenken, was Emilia wohl antworten würde - in beiden Angelegenheiten blieben seine Versuche allerdings vergeblich. Er rechnete nun nicht damit, dass Emilia seinen Vorschlag ablehnte - sie hatte die Idee ja gewissermaßen zuerst aufgebracht - doch zum einen war er sich nicht sicher, ob sie hier von derselben Angelegenheit sprachen oder ob Emilia bloß annahm, dass es sich um ein geschäftliches Essen handeln würde. Und zum anderen war der Slughorn eben auch zuzutrauen, dass sie sich in den vergangenen Stunden, die er sie hatte warten lassen umentschieden hatte oder ihn das aus Prinzip glauben ließ. Atreus aß halbherzig etwas von dem Abendessen, ließ aber die Hälfte des Essens auf dem Teller zurück, dann entschied er sich für eine Dusche, um etwas zu tun zu haben, auf das er sich nicht konzentrieren musste. Eine weitere Fehlentscheidung bedauerlicherweise, denn als er aus dem Bad zurückkehrte und noch kein Brief auf seinem Schreibtisch lag wünschte er sich für einen Augenblick, er hätte die Zeit unter Wasser doch anders genutzt - und schämte sich gleich im nächsten Moment wieder so sehr für diesen Gedanken, dass er sich ganz absichtlich selbst ohrfeigte. Er musste sich wirklich zusammen reißen!
Statt sich also um die noch unbeantworteten Briefe für die Arbeit oder an seine Kontakte im Ausland zu kümmern, schritt Atreus bloß in seinem Zimmer auf und ab, bis mit einem leisen Geräusch ein weiterer Umschlag auf seinem Schreibtisch erschien. Doch nun, da der erwartete Moment gekommen war, erstarrte Atreus bloß zu einer Säule. Er blinzelte den Umschlag für einige Sekunden an. Der Umschlag blinzelte nicht zurück. Das war wohl auch besser so. Erst als seine Lungen protestierend nach Sauerstoff forderten, bemerkte Atreus, dass er offensichtlich die Luft angehalten hatte. Er erlöste seine Organe von dem selbstauferlegten Entzug, dann durchquerte er den Raum und öffnete den Briefumschlag.
Die Anspannung in seinem Inneren schwand augenblicklich, kaum dass er die erste Zeile laß. Ein spöttisches Schnauben verließ seine Kehle, dann schüttelte er knapp den Kopf und schließlich war da vielleicht sogar ein überdeutliches Grinsen, das sich über seine Miene zog. Begleitet von einer wohligen Gier in seinem Inneren, verfasste Atreus schließlich eine Antwort.
Zitat:AN: Emilia Slughorn
VON: Atreus Travers
Emilia,
ich denke es täte dir gut, dich weniger mit Menschen zu umgeben, die dir nach dem Mund reden. Weißt du denn nicht, dass das die ersten sind, die dir in den Rücken fallen, wenn es ihnen zum Vorteil gereicht?
Glücklicherweise kann ich bloß mutmaßen, zu welchen Vermerken deine Briefe führen würden und ich bin nicht sicher, ob es klug wäre, leere Vermutungen zu äußern, für die wir beide keinerlei Beweise haben. Allein um deine Neugier zu befriedigen, will ich es trotzdem tun: Ein weniger wohlgesonnener Geist könnte annehmen, dass es sich bei der Verfasserin der Briefe um eine Person handelt, die sich ganz bewusst in eine Position der emotionalen Abhängigkeit gebracht hat und dort nach einer Validation sucht, die sie aus anderen Quellen nicht erhält - eine vulnerable Situation, die sich leicht ausspielen ließe, um seine eigenen Ziele zu erreichen. Gut also, dass diese Worte nicht in die falschen Hände gelangt sind.
War das für dich eine effektivere Drohung?
Nach deinem letzten Erziehungsversuch meiner Elfen, denke ich, dass ich auf deine Hilfe lieber verzichte. Am Ende des Tages hast du meinen Hausstand so dezimiert, dass meine Mutter tatsächlich noch selbst das Frühstück bereiten muss.
Was die Suche nach einem Experten für Gewürzhandel angeht, bin ich sicher, dass du da schon jemanden findest. Lass mich wissen, wenn du jemanden beauftragt hast, ja? Vielleicht lässt sich der Kontakt ja dann weiterleiten.
Möchtest du wirklich eine Abhandlung über meine Arbeitstermine für die nächsten Tage hören? Ich glaube nicht, dass das so spannend ist, wie du es dir vielleicht vorstellst. Ich denke an einem der Tage werde ich nicht darum herumkommen, ein wenig Zeit mit unseren Gästen zu verbringen, aber den Großteil der Zeit verbringen arbeitende Menschen tatsächlich eben so: Mit der Arbeit.
Meine Frage zielte nicht auf deinen Hunger ab, Emilia.
Was ist mit dir? Ein paar Tasten zu klimpern? Ein wenig Hauselfen zu drangsalieren? Was macht eine geduldige Hexe wie du, wenn sich offensichtlich niemand sonst ihrer Briefe erbarmt?
Beim letzten Mal schien es dir ein Anliegen gewesen zu sein, zu hören, ob mir gefällt was ich sehe. Ich erinnere mich auch, dass ich nicht ganz angemessen darauf reagiert habe. Das Versäumnis würde ich gerne nachholen. Überrasch mich.
![[Bild: NuyA5ek.png]](https://i.imgur.com/NuyA5ek.png)
