01.04.2019, 21:04 - Wörter:
Die Ruine
am 01.01.1970
TONIGHT I’M GONNA HAVE MYSELF A REAL GOOD TIME
I FEEL ALIVE AND THE WORLD I’LL TURN IT INSIDE OUT
AND FLOATING AROUND IN ECSTASY SO DON’T STOP ME NOW
AMELIA&JACOB | 31. OKTOBER
Jacob musste automatisch etwas grinsen, weil Amelia offensichtlich auch schon festgestellt hatte, dass er bei Getränken wählerisch war. Leider konnte er an diesem Abend wohl kaum mit hochwertigem Champagner oder Wein rechnen, aber da musste er dann nun durch. Irgendwann würden ihm diese süffigen Cocktails auch schmecken, wenn er eben genug davon getrunken hatte. „Gut, da war ich wahrscheinlich noch nicht…“, gab Jacob schmunzelnd zurück. Das konnte sich Amelia sicher auch denken, immerhin hatten sie sich im Tropfenden Kessel kennengelernt, von dem Jacob weniger begeistert gewesen war. Er sah Amelia etwas überfordert an, als diese fragte, ob er ihren Bruder kennenlernen wollte. „Naja, ich hab ihn ja eben beim Getränke holen gegrüßt? Die nächste Runde kannst du ja holen…“, schlug er einfach vor und nippte wieder an seinem Cocktail. Im Prinzip hatte Jacob nichts dagegen, Amelias Bruder kennenzulernen, doch irgendwie sah er den Sinn in diesem Familienkennenlernen nicht ganz. Außer er missinterpretierte die Einladung zu diesem Event und Amelias Absichten…
„Wenn man das so sieht, hast du wohl Recht.“ Jacob prostete Amelia daraufhin einfach nochmal zu und setzte das Getränk wieder an. Bisher hatte er wirklich nicht viele Leute – kaum Leute! – kennengelernt, die so von ihm dachten oder die ihn so sympathisch fanden. Normalerweise kam er ja doch eher wie der unnahbare Geschäftsmann rüber und knüpfte eher selten private Kontakte. Das hier war ihm also eine ganz willkommene Abwechslung, die er auch nicht so schnell vergraulen wollte. „Ja, wenn ich mich so umschaue, entdecke ich auch wirklich niemanden, der den Frauen bei uns das Wasser reichen könnte … und das ist positiv gemeint.“ Jacob stand auch nicht so auf die Frauen, die ihm in Unterwäsche auf der Straße entgegenkamen und behaupteten, verkleidet zu sein. Da war ihm eine Märchenfigur oder eine Vampirin doch lieber…
Jacob nickte beruhigt, weil er sich anscheinend wirklich keine Sorgen machen musste. Wenn er näher darüber nachdachte, befand er seine anfänglichen Sorgen auch für unnötig und übertrieben. Bisher hatte er auch kaum bekannte Gesichter gesehen, was beruhigend war. „Und wieso bist du dann nicht mit einem von denen hier, wenn sie sowieso hier sind?“, fragte Jacob schmunzelnd und hob eine Augenbraue. Doch das Grinsen verging ihm schnell wieder, als Amelia nun ihrerseits fragte. „Heute findet keine High-Society Party statt, auf der ich eingeladen wäre und eine Firmenfeier veranstalte ich lieber nicht an einem solchen Event, da war mir das Risiko zu groß, meine Mitarbeiterinnen in Outfits zu sehen, die ich nie wieder aus meinem Gedächtnis gelöscht bekomme.“ Jacob lachte nun doch leise auf und zuckte mit den Schultern. „Und meine Freundin und ich … bevorzugen es in letzter Zeit, im Privaten getrennter Wege zu gehen.“, fügte er noch vorsichtig hinzu und verzog das Gesicht. Eigentlich war das auch von Anfang an so gewesen und sicherlich war es langsam mal an der Zeit, daran etwas zu ändern. Doch für die Presse machte sich diese Frau an seiner Seite immer gut. Genauso ging es ihr mit ihm. Daher war wohl noch keiner der beiden diesen Schritt gegangen, die ganze Farce zu beenden.
