09.04.2015, 20:20 - Wörter:
Eingangshalle
am 01.01.1970
... UND LEISER. DOCH SOLL MAN SICH DESHALB STRESSEN?
STUDIEREN LOHNT
RON WEASLEY & HERMINE GRANGER
13. JUNI 1998 | AM MITTAG
Hermine war momentan echt ganz schön in Brass. So sehr, dass sie heute Morgen das Frühstück vergessen hatte und dabei waren Mahlzeiten wichtig, denn nur durch sie wurde das Hirn richtig versorgt und nur mit einem gut versorgten Hirn ließ sich ordentlich arbeiten und lernen. Und das musste sie! Lernen! Aber wieso war eigentlich nie genug Zeit da? Wieso hatte der Tag nicht 48 Stunden? Mit Grabesmiene packte Hermine ihre wenigen Habseligkeiten zusammen, die sie auf dem Einzeltisch, an dem sie in den letzten sechs Prüfungen (und auch den folgenden) gesessen und sich die Finger wundgeschrieben hatte. Jede einzelne Prüfung war bislang definitiv nervenaufreibend gewesen, doch hatte Hermine immer ein gutes Gefühl gehabt. Gut, da herrschten immer Unklarheiten bezüglich Teilantworten, die niemand später mit ihr erörtern wollte, um ihr die Zweifel zu nehmen (Harry und Ron reagierten ja immer sehr angestochen, wenn sie die Arbeiten diskutieren wollte). Aber im Großen und Ganzen war Hermine immer zufrieden gewesen. Und dann das! Alte Runen!
Die Gryffindor fuhr sich über ihre müden Augen, als sie sich ihre Schultertasche auflud und als eine der Letzten in Richtung Portal strebte. Sie warf einen kurzen Blick an die verzauberte Decke der Großen Halle, ein ihr so vertrauter Anblick. Blauer Himmel, Sonnenschein. Missmutig stapfte Hermine weiter, völlig allein, denn heute hatte sie überhaupt keine Lust, irgendetwas zu erörtern. Schließlich war sie kurz davor, in Tränen auszubrechen. Ihre Augen juckten schon richtig. Verdammt! Wenn sie jetzt so jemand sah! Es ERWARTETE doch jeder, dass sie jede Aufgabe bravourös meisterte. Was, wenn jetzt gleich Ernie Macmillan um die Ecke kam und sie nach der Übersetzung von Zeile 38 fragte? Nun gut. Den Satz hatte sie ja vielleicht noch korrekt übersetzt. Aber wenn es um Zeile 43 ging, sah das Ganze schon anders aus! Sie war sich ziemlich sicher, dass sie die Ihwa-Rune mit der Laguz-Rune verwechselt hatte! Und das ausgerechnet jetzt! Bei den UTZ-Prüfungen! Als wenn ihr ein ähnlicher Fehler nicht bereits schon einmal unterlaufen wäre! Das war bei den ZAG-Prüfungen gewesen. Die Ihwa-Rune schien verflucht zu sein! Ach, wenn sie doch jetzt noch mal auf das Pergament schauen könnte! Hermine überlegte kurz, den Professor, der die Prüfung beaufsichtigt hatte, abzupassen und anzuflehen, ihr den Übersetzungstext noch einmal zu zeigen, doch dann stoppte sie abrupt ab, denn ein Rotschopf tauchte in ihrem Blickfeld auf. Ein penetrant fröhlich aussehender Rotschopf. Es überraschte sie einigermaßen, Ron hier zu sehen. Hatte er nicht zu lernen? Warum war er nicht im Gemeinschaftsraum?
„Hallo.“, knurrte sie ihn dementsprechend verstimmt an, auch damit ihre Stimme nicht so zittrig klang, wie sich Hermine fühlte. Noch gestern Abend hatte sie ihre beiden Freunde ziemlich verrückt gemacht wegen ihrer heutigen Prüfung. Und diese hatten sich bemüht, ihr zu versichern, dass sie das schon gut machen würde. Hah! Pustekuchen! Sie war bestimmt durchgefallen! Sie, Hermine Granger, hatte Ihwa und Laguz verwechselt und dadurch mit Sicherheit den kompletten zweiten Teil des Textes vermasselt! War das zu glauben? Und Ron stellte jetzt genau die gleiche Frage. „Es war grauenhaft!“, erwiderte Hermine schrill und sah nun mehr verzweifelt als zornig aus. Am liebsten hätte sie das Gesicht in den Händen vergraben. „Ich habe alles falsch gemacht! Ich habe bestimmt die Ihwa-Rune verwechselt! Ich muss sofort in Zaubermanns Silbentabelle nachschauen!“, steigerte sie sich weiter in ihre Runen-Hysterie hinein, ließ die Tasche zu Boden sinken, bückte sich und begann darin rumzukramen. „Ron, ich kann jetzt nicht an die frische Luft! Ich hab doch nachher meine praktische Prüfung!“, protestierte sie währenddessen, da Ron soeben diese Schnapsidee vorgeschlagen hatte. „Was machst du eigentlich hier? Du musst doch auch lernen, oder nicht?“, sie richtete sich wieder auf, blätterte in dem Buch und überhörte das Knurren ihres Magens, ganz im Gegensatz zu Ron.
„Was?“, fragte sie zerstreut nach, sah dann hoch und blinzelte irritiert. Irgendwas am Gesichtsausdruck des Rothaarigen führte dazu, dass sie das Buch in ihren Händen wirklich einen Augenblick vergaß und ihm ihre volle Aufmerksamkeit schenkte. „Du hast mir was zu essen mitgebracht …? Ehrlich?“, ihr fehlten ein bisschen die Worte. Ron galt schließlich nicht als besonders aufmerksam. Und so richtig gut war er auch nicht darin zu teilen. Jedenfalls wenn es um Essen ging. Aber irgendwie schien er heute wohl einer ganz besonderen Stimmung zu sein! „Ähm … ich glaube … ich habe tatsächlich ein bisschen … Hunger!“, eierte Hermine herum und merkte, dass sie plötzlich ein wenig verlegen war. Das war wirklich untypisch von Ron! Überhaupt! Dass ihr das nicht gleich aufgefallen war, wie nett es eigentlich war, dass er sie von ihrer Prüfung abholte! „Ich glaube, ich würde einen Kesselkuchen nehmen.“, teilte sie Ron dann mit. „Wo ist eigentlich Harry?“, fragte sie dann. Vielleicht war Ron ja mit dem Auserwählten hier verabredet und es war mehr oder weniger ein glücklicher Zufall, dass sie jetzt dazu stieß. Allerdings hatte er eben direkt gesagt, dass sie Ablenkung brauchte – und frische Luft. So, als hatte er sie wirklich abholen wollen. „Wo wolltest du noch mal hin?“, diese Frage schob sie dann doch noch hinterher, sich einen Ruck gebend. Dabei hatte sie wirklich gar keine Zeit, sie musste doch lernen!!